Charly´s weite Reise

Oktober 2013

Hola, amigos! Que tal?

Nun, es ist ein Monat vergangen, und wir sind ein ganzes Stück weiter nach Süden gekommen. Ich sitze unter Bäumen auf einem Campingplatz im Norden Argentiniens und lasse die Erlebnisse der letzten Wochen Revue passieren. Anfang Oktober verlassen wir Cusco Richtung Urubamba-Tal, dem Heiligen Tal der Inka. An diesem fruchtbaren Flusslauf wurde schon in frühen Zeiten Getreide, Kartoffeln und Gemüse für die Hauptstadt des Inkareiches angebaut.

Zunächst führt unser Weg in das höher gelegene Maras, in dessen Nähe zwei alte Inka-Anlagen liegen. Die eine dient der Salzgewinnung und ist heute noch in Betrieb. Unwirklich fremd wirken die vielen kleinen Salzbecken, die sich in dem schmalen Tal den Hang entlang ziehen. In kleinen Mengen wird das Salz von einer Kooperative abgeschöpft und in der Umgebung verkauft.

Die zweite Anlage soll landwirtschaftlichen Versuchen gedient haben. Angeblich wurden auf den kreisförmigen, exakt ausgerichteten, Terrassen Experimente mit verschiedenen Pflanzen gemacht. Nur, woher will man das so genau wissen? Auf uns wirkt das Ganze eher wie ein Amphitheater oder Zeremonienplatz.

Reste einer großen Inka-Festung findet man an einem Engpass des Urubamba-Tals in Ollanta: Ollantaytambo. Zu sehen sind mächtige Terrassen aus mächtigen Steinen, eine der Spezialitäten der alten Inkas. Auf einem Pfad windet sich eine nicht enden wollende Menschenschlange durch die ehemalige Festung. Ollanta ist völlig in der Hand der Touristen. Tourbusse aus Cusco quälen sich durch die Gassen des kleinen Ortes und bringen unzählige Tagesbesucher hierher. Außerdem kann man mit dem Zug nach Aguas Calientes fahren, dem Ausgangspunkt, um nach Machu Picchu zu laufen. Am Bahnhof ist ebenfalls die Hölle los, und nach diesem Vorgeschmack fällt die Entscheidung: Wir werden Machu Picchu nicht besuchen.

Also folgen wir dem Tal in die andere Richtung, machen Mittagspause in `Ulrikes Cafe´ in Pisac und treffen schließlich wieder auf die Hauptroute, der wir bis Juliaca folgen. Kurz hinter der chaotischen und staubigen `Perle des Altiplano´, wie sich die Stadt selbst beschönigend nennt, biegen wir zum Titicaca-See ab. Wie vom Reiseführer versprochen, leuchtet der größte See Südamerikas tiefblau vor der Kulisse der Berge. Wenn der allgegenwärtige Wind am Nachmittag Fahrt aufnimmt, und die Wellen ans Ufer schlagen, kann man sich sogar vorstellen am Meer zu sein.

Auf der Halbinsel Capachica geht es beschaulich zu. Kleine Dörfer mit freundlichen Bewohnern liegen am See verstreut. Die Frauen, wie fast überall in den Bergen in Tracht gekleidet, haben hier besondere, eckige Hüte, die mit bunten Wollbommeln verziert sind. Alle, selbst kleine Mädchen, haben ein buntes Tuch auf dem Rücken - Handtaschen europäischer Frauen sind ein Witz dagegen. Die Männer haben ihre traditionelle Kleidung aufgegeben und sind in ihren dunklen Hosen und Jacken fast unsichtbar.

Die aus Schilf gefertigten `Schwimmenden Inseln´, die man von Puno aus besuchen kann, wurden früher bewohnt. Sie dienen inzwischen nur noch als touristisches Ziel und werden ebenso von Ausflugsbooten angesteuert, wie die `Insel der strickenden Männer´. Diese Attraktionen besuchen wir jedoch nicht, sondern biegen zu den Grabtürmen nach Sillustani ab.

Schon bevor die Inkas auf dieser Halbinsel Türme errichteten, in denen man in drei Etagen beerdigen konnte, bestatteten ihre Vorgänger angesehene Tote samt Grabbeigaben in ähnlichen, wenn auch einfacher gebauten Grabkammern. Warum sie das auf diese Art taten, weiß man nicht. Die Archäologen sind aber noch fleißig bei der Arbeit, graben weitere Türme aus und versuchen, das Geheimnis zu lüften.

Eine weitere Besonderheit in der Umgebung sind kleine Höfe, die Umfriedung aus Stein errichtet, von denen wir einen fotografieren wollen. Als wir halten, kommt ein Mann aus dem Tor und winkt uns zu sich. Er möchte uns unbedingt das Anwesen zeigen, das Meerschweinchenhaus, die Feuerstelle, auf der mit getrocknetem Viehdung gekocht wird, den Lamapferch und das Zimmer für Touristen, welches sogar über eine Toilette verfügt. Sein eigener, winziger Raum sieht weniger komfortabel aus. Er stellt uns noch die Grundnahrungsmittel des Hochlandes vor, die er in Tonschalen aufbewahrt: Verschiedene Getreide - das wichtigste ist Quinoa - und kleine weiße Kartoffeln, die vor dem Verzehr erst zwei Wochen lang gewässert werden müssen.

Später fahren wir weiter entlang des Sees in Richtung Bolivien. Als wir an unserem letzten Abend in Peru mit Anwohnern sprechen, bringen sie das Problem der Altiplano-Bewohner auf den Punkt. Sie können sich mit dem Ertrag ihrer Felder und Tiere zwar selbst versorgen, so dass sie nicht hungern müssen. Aber sie können - außer vielleicht mit Artesania - kein Geld verdienen. So steht es ihnen nicht frei zu entscheiden, ob sie ihre Soles für einen Arztbesuch, eine neue Schuluniform oder einen Fernseher ausgeben würden.

Für manch einen zivilisationsgeplagten Touristen scheint die traditionelle Lebensweise der Indigenas allerdings eine tolle Sache zu sein. Hört man ihnen zu, so würden sie lieber heute als morgen in eine der Lehmhütten ziehen und den Rest ihres Lebens mit Lamas und Feldarbeit verbringen.

Ich hänge solch romantischen Vorstellungen nicht an und ziehe gerne weiter. Unser nächstes Land heißt Bolivien, der nächste Grenzort Kasani, wir sind wie immer gespannt!

Vale bien, vemos en Bolivia!

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