Charly´s weite Reise

August 2013

Buenas dias!

Unser erstes Ziel in diesem Monat ist das `Kleine Paradies´ wenige Kilometer südlich von Banos. Eine wirklich schöne Gartenanlage und die herzliche Besitzerin, Sue, machen unseren Aufenthalt in der Pastaza-Schlucht trotz des schlechten Wetters angenehm. Sie ist eine echte Hundefreundin und ermahnt ihre zwei Vierbeiner auf mich alten Herrn Rücksicht zu nehmen.

Die Fotografin hat´s seit kurzem im Kreuz, aber wir können einen Spaziergang zum Wasserfall `Pailon de Diabolo´ im Örtchen Rio Verde machen. Dort hat man einen Weg so in die Felswand gelegt, dass die Besucher direkt in die Gischt laufen können. Wer will, kann sich an der Zahlstelle einen Plastikumhang kaufen - aber die meisten Besucher finden es total witzig, dass sie in Sekundenschnelle bis auf die Haut durchnässt sind. Eine Frau lässt ihre in Tracht gekleideten Mädchen unter einem kleineren Wasserfall gegen Bezahlung für Fotos posieren und macht damit ein gutes Geschäft.

Leider regnet es ständig, nichts wird mehr trocken, und die vielen Wasserläufe sind voll. Seit einigen Jahren ist die Straße asphaltiert und führt jetzt auch durch mehrere Tunnel den Berghang entlang. Von den Tunneldecken läuft das Wasser in Sturzbächen herunter. Viele der Touristen, die eigentlich wegen der heißen Quellen nach Banos kommen, buchen auch eine Mountain-Bike-Tour. So fahren sie jetzt im strömenden Regen bergab - auf dieser Straßenseite ist sogar eine Radspur eingezeichnet - und lassen sich später von einem Bus wieder hoch nach Banos bringen. Wer es lieber motorisiert mag, leiht sich ein Quad. Auch Fußgängern bleibt, wie so oft, nur der Weg auf der viel befahrenen Straße, Wanderungen abseits von Asphalt sind zur Zeit nicht möglich, man würde in Wasser und Schlamm versinken.

Nach ein paar Tagen haben wir genug vom Regen. Außerdem juckt mein Hintern, und über die Ursache herrscht Uneinigkeit. Sue tippt auf Parasiten - also bekomme ich ein entsprechendes Mittel verabreicht, das jedoch keine Besserung bringt - und die Fotografin vermutet eine verstopfte Analdrüse. Zudem hat auch die Matratze des Chefmechanikers ihren Geist aufgegeben, so dass er eine neue braucht. Wichtige Gründe, um doch noch nach Quito zu fahren.

Nachmittags erreichen wir die Hauptstadt und bewegen uns im Stop-and-Go-Verkehr erst durch die Außenbezirke, dann das historische Zentrum und schließlich in die Neustadt, wo es alle Arten von Einkaufsmöglichkeiten gibt. Zufällig sehen wir einen Campingladen und kaufen die einzige Luftmatratze, die sie haben. Sie ist kürzer, schmaler und vor allem viel dünner als die alte - aber deutlich besser als keine.

Mir geht es nicht gut. Das Jucken macht mich schier wahnsinnig, und ich fange an, mich aufzubeißen. Also muss schnellstens ein Veterinario her, den wir, ebenfalls zufällig, endlich in der Altstadt finden. Er glaubt zum Glück an die These mit der Drüse und drückt sie aus. (Viele scheinen das ungern zu machen, weil es ein bisschen stinkt.) Das Beste ist, dass er mir Schonkost verordnet, also Hühnchen mit Gemüse. Hundefutter in Dosen gibt es in Ecuador nicht, nur Trockenfutter. Da ich das jetzt nicht mehr essen darf, müssen meine Leute für mich kochen!

Am nächsten Tag ist das Auto an der Reihe. Aus dem beabsichtigten einfachen Ölwechsel werden dank des geschäftstüchtigen jungen Werkstattbesitzers schließlich drei, nämlich zusätzlich die an den beiden Achsen. Außerdem verkauft er uns das Abschmieren der Schmiernippel und eine Komplettwäsche inklusive Motorraum und Unterboden. Nach mehr als drei Stunden, viel verschüttetem Öl und kleinen Hilfestellungen beim Öffnen und Schließen der Schrauben durch den Bordmechaniker ist der Toyota fit und sauber wie selten zuvor. Bei der Rechnung spielt der Arbeitslohn praktisch keine Rolle, bezahlt wird eigentlich nur das Öl.

In Ambato verlassen wir die Panamericana, um dem Chimborazo, der mit 6310m der höchste Berg Ecuadors ist, unsere Aufwartung zu machen. Und hier haben wir Glück mit dem Wetter, denn es ist sonnig und klar. Nur wenige Wolken umspielen den Gipfel, als wir durch das Hochland fahren. Zum ersten Mal sehe ich Vicunas, die seltenen, frei lebenden Andenkamele. Sie haben die feinste Wolle des gesamten Tierreichs, die früher nur den Kleidern der Könige vorbehalten war. Alle drei bis vier Jahre wurden die Tiere zusammengetrieben und geschoren, um gerade einmal 250g Wolle pro Tier zu bekommen. Bei den domestizierten Lamas oder Alpakas sind es immerhin 2,5kg pro Jahr. Später übernachten wir in der Nähe von Riobamba an der Laguna de Colta und haben am nächsten Morgen einen atemberaubenden Blick auf den Vulkan, bevor die Wolken ihn wieder einhüllen.

Gerade hat man die Bahnstrecke von Quito nach Guayaquil erneuert. Auf ihr sollen wohl vor allem Touristen durch die schöne Gegend fahren, denn die Einheimischen bevorzugen die günstigeren Busse. Zur Zeit ist die Fahrt von Alausi über die `Teufelsnase´ zum nur wenige Kilometer entfernten Sibambe der Renner. Früher konnte man auf den Dächern der Waggons sitzen, aber irgendwann fiel einer der Touristen vom Zug, so dass diese schöne Variante ab- und neue Wagen angeschafft wurden. Jetzt kostet der Spaß fünfundzwanzig Dollar pro Nase, dafür bekommt man aber in Sibambe, das nur aus einem nagelneuen Bahnhof besteht, eine Tanzgruppe und einen Kaffee geboten. Während ich mit der Fotografin in dem netten Alausi bleibe, macht der Informatiker die Fahrt mit. Das Besondere ist die Bewältigung eines enormen Steilstücks mittels Zick-Zack-Streckenführung. Der Zug fährt bis ans Ende einer Geraden, dann stellt der Zugbegleiter die Weichen um. Jetzt fährt der Zug rückwärts bis an das Ende der nächsten Gerade, der Zugbegleiter stellt wieder die Weiche um, und der Zug fährt wieder vorwärts. Und so weiter, bis er die Steilwand bewältigt hat.

Nach einer Fahrt durch die grandiosen Berge kommen wir in den wohlhabenden Süden, werfen einen Blick auf Ingapirca, eine Inkaruine, und erreichen schließlich Cuenca. Die Stadt gefällt uns, der Platz liegt schön und am nahe gelegenen Fluss kann man gut spazieren gehen. Wir bleiben eine Woche, und meine Leute kümmern sich um banale Sachen wie Großwäsche und die Verlängerung der Autoversicherung, während ich mich vor allem erhole. Nach ein paar Tagen bin ich endlich wieder fit und unternehmungslustig.

Außer uns sind noch Amerikaner da. Ein Paar aus Texas ist mit einem alten Mercedes-Rundhauber vom THW unterwegs, den sie in Ecuador mit Holländern gegen ihren Landcruiser getauscht haben. Jetzt haben sie angefangen, die Kabine umzubauen und den alten Holzofen gegen einen Kleiderschrank getauscht, den Umberto, der Platzbesitzer, ihnen baut. Abends wird der Ofen auf der Wiese noch einmal angefeuert, bevor er das Haus von Umberto heizen wird.

Die anderen sind junge Kalifornier mit einem alten VW-Bus. Es sind Freaks, die sich wundern, warum man bei ihnen Drogen vermutet und sie bei jeder Kontrolle ihren Bus ausräumen lässt. Ihr Jagdhund hat es auf die Küken abgesehen, die auf dem Gelände herumspazieren, und nachdem er das erste um die Ecke gebracht hat, suchen sie das Weite.

Über Loja geht es zu unserem letzten Ziel in Ecuador, nach Vilcabamba, dem Ort der Hundertjährigen. Es liegt in einer der erstaunlich trockenen Ecken, wie wir sie immer mal wieder in diesem feuchten Land gesehen haben. Diese Täler liegen im Regenschatten und bekommen ihr Wasser überwiegend durch Flüsse, aber kaum durch Niederschlag.

Die deutschen Besitzer des Hotels, an dem wir bleiben, haben sich die Mühe gemacht, einige Wanderwege zu markieren. So überlegen wir nicht lange und laufen am nächsten Tag eine schöne Runde. Der Ort selber ist Anziehungspunkt für Amerikaner, die sich hier niedergelassen haben, und mittags an der Plaza ihre Bierchen zischen. Auch eine Handvoll Freaks hängt in den Gassen herum, verkauft selbstgemachten Schmuck und Träume von Hare Krishna.

Eine rumpelige Piste, die später in eine rumpelige Straße übergeht, führt uns noch einmal hoch in die Berge. Dann nähern wir uns dem Rio Chija, an dessen Ufer Reisterassen angelegt sind und der hier bei Macara die Grenze nach Peru bildet. Am 20. August, so gegen fünf Uhr, kommen wir bei strahlendem Sonnenschein an den kleinen Grenzübergang und sind unschlüssig, ob wir heute noch nach Peru einreisen sollen. Schließlich siegt die Neugier, wir geben uns einen Ruck und suchen die Papiere zusammen.

Aus Peru werde ich Euch dann Anfang Oktober berichten - man muss sich ja erst wieder an das neue Land gewöhnen!

Hasta luego! Vale bien.

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