Charly´s weite Reise

Mai 2013

Buenas dias, como estais?

Der Grenzübertritt von Costa Rica nach Panama ist nicht der Rede wert, zumindest, wenn man ohne Hund reist. Es ist die Grenze der kurzen Wege. Auf panamesischer Seite befinden sich alle Stationen in einem Gebäude, sogar die Versicherung für das Auto bekommt man gleich gegenüber.

Panama hat sein eigenes Geld, den Balboa, praktisch aufgegeben und der US-Währung gleichgesetzt. Die übliche Wartezeit nutzt der Bordmechaniker, um an Dollar zu kommen, aber die Geldwechsler sind gerissen. Sie nutzen den Umstand, dass man an der Grenze offiziell keine Colones tauschen kann und kassieren von ihm eine extrem hohe `Provision´ für den Tausch.

Aber nun zu mir, dem Reiseleiter. Man kann sagen, dass sich bisher für mich als Hund kein Schwein interessiert hat. In Panama jedoch soll es besondere Regelungen für die Einreise von Reiseleitern, pardon: Hunden, geben. Allerdings ist nicht klar geworden, wie die im Einzelnen aussehen, also, ob es etwa eine Quarantänpflicht gibt. Meine Leute zögern noch mich `anzumelden´, als das Fahrzeug vom Zoll inspiziert wird. Jetzt entdeckt man mich, und es wird wieder mittelamerikanisch kompliziert. Die Dolmetscherin hat große Mühe, den Anweisungen, was wo bei wem zu erledigen ist, zu folgen. Schließlich fahren wir nach Pasa Canoas hinein, suchen das Büro des zuständigen Amtes, der MIDA, und treffen erfreulicherweise auf einen ausgesprochen netten Veterinär. Der Doktor untersucht mich kurz - alles o.k. - und staunt über mein für hiesige Verhältnisse biblisches Alter. Er kümmert sich persönlich um alle Papiere, Kopien, Stempel und Unterschriften und wünscht uns dann gute Fahrt.

In Panama gibt es eigentlich nur eine Straße, die Inter- oder Panamerikana, die südlich der Zentralkordillere die Stadt David im Westen mit Panama City im Osten verbindet und weitgehend vierspurig ausgebaut ist. Nur wenige Nebenstraßen führen ans karibische Meer im Norden und den Pazifik im Süden. Auf unserer Fahrt nach Las Lajas sehen wir moderne Shoppingmalls, in denen günstig alles angeboten wird, was das Konsumentenherz begehrt. Jede Menge Baumaschinen warten auf ihren Einsatz, und Baustoffhändler residieren in riesigen Hallen. Manche Ortschaften entlang der Hauptader wirken dagegen eigenartig heruntergekommen. Wir sind nicht sicher, ob dies ein Zeichen von Armut ist. Vielleicht ist man in Gedanken auch schon auf dem Weg nach Osten, in die große Stadt.

Las Lajas ist ein Strandort, in dem es außer uns keine Gäste gibt. Wie schon in Costa Rica ist freies Stehen vor allem an den Stränden außerhalb der Ballungsgebiete problemlos möglich. Zwischen zwei Regenschauern machen wir einen Spaziergang am Meer und Pläne für die nächsten Tage.

Aber mit Plänen ist es ja bekanntlich so eine Sache. Einen Abstecher in die Berge verwerfen wir wegen des Regens. An der Bahia de Parita möchten wir eigentlich noch einen Halt einlegen, bevor es in die Hauptstadt geht. In Santa Cruz versuchen wir unser Glück zum ersten Mal - hier gibt es keinen Platz für uns. So geht es weiter, bis wir die Suche auf- und uns dem Sog der Autobahn hingeben. Gegen Abend erreichen wir bereits Panama City. Auf der Puente de las Americas überqueren wir den Panama-Kanal und sind somit schon in Südamerika. Gäbe es eine Straße durch das Gebiet Darien, so müsste man nicht fliegen oder segeln, um nach Kolumbien zu kommen.

Wir fahren zum Jachtklub, der an der pazifischen Seite des Kanals liegt. Das ist die Adresse am Rande der Stadt, wo alle Overlander vorbeikommen, die in der Hafenstadt Colon ihr Fahrzeug verschiffen. Das Organisieren dieser Aktion nimmt immer mehrere Tage in Anspruch, an denen man nicht nur einen sicheren Standplatz, sondern auch Wifi braucht. Duschen und Waschmaschinen gibt es obendrein, und im Restaurant des Klubs kann man sich mit Blick auf den Kanal erholen.

Ein erster Spaziergang überrascht uns. Wir sind direkt am Cause Way, einer Landzunge, an deren Spitze das `Biomuseo´ von Superarchitekt Frank Gehry entsteht - ein echter Hingucker. Auf der anderen Seite blickt man auf die Skyline von Panama City, und wir sind erstaunt, so viele Wolkenkratzer zu sehen. Die Stadt ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Seit der Kanal an Panama zurück gegeben wurde, bereiten die Panamesen sich auf die 100-Jahr-Feier zur Eröffnung des Kanals 2014 vor. Überall wird gebaut. Nicht nur weitere Hochhäuser, sondern auch mehrspurige Straßen und neue Stadtviertel. Für den ortsunkundigen Fahrer ist das eine Quelle endloser Rumkurverei, bis er sein Ziel erreicht. Einmal schaffen wir es nur mit Hilfe eines vorausfahrenden Autos wieder zum Jachtklub zu kommen.

Meine Leute haben beschlossen, eine deutschsprachige Agentin namens Tea mit der Buchung und Vorbereitung der Verschiffung zu beauftragen. Tea sitzt in Argentinien und wickelt die gesamte Angelegenheit per e-mail ab. Wir sind jetzt permanent online und erhalten, Schritt für Schritt, alle Informationen. Ihre Tochter Amy ist vor Ort, begleitet uns zur ersten Polizeiinspektion und besorgt Papiere, Stempel und Unterschriften. Samstags haben wir den ersten Kontakt, montags ist die Inspektion und mittwochs fahren wir das Auto nach Colon zum Zoll und dann in den Hafen - das ist kurz gefasst der Ablauf einer höchst komplizierten und undurchsichtigen Prozedur mit etlichen Dokumenten, sehr vielen Kopien und unzähligen Stempeln.

Erfreulicherweise lernen wir am Jachtklub ein französisches Paar mit Hund kennen. Ein alter Mercedes mit Kofferaufbau wurde von Julien liebevoll ausgebaut, und dient ihm und Ysault nicht nur als Reisefahrzeug, sondern auch als Wohnung in der Heimat. Zwei Jahre waren sie unterwegs. Sie schwärmen von Südamerika und bereiten sich langsam auf ihre Rückkehr nach Frankreich vor, wohin sie ihren `Kamtar´ jetzt verschiffen müssen. Von ihnen fällt der Abschied ein bisschen schwer - aber nachdem unser Auto weg ist, müssen wir, zum ersten Mal seit Beginn der Reise, ins Hotel.

Wir haben eine Buchung für ein Hotel, welches im Internet vermerkt, dass Haustiere erlaubt sind. Nach einem langen, anstrengenden Tag kommen wir abends dort an, checken ein und gehen ins Zimmer. Als wir die Tür öffnen, klingelt das Telefon und Empfangsdame Vanessa teilt uns schnippisch mit, dass ich nicht bleiben dürfe. Nach den vielen Wochen in Mittelamerika wissen wir, dass sich Hartnäckigkeit auszahlt. Also gibt es eine klare Ansage der Fotografin, die der guten Vanessa an der Rezeption erklärt, wir würden auf keinen Fall das Hotel heute noch verlassen. Schließlich gibt diese zu, dass die Falschinformation nicht unsere Schuld sei, und wir bleiben. Gleich nach dem Frühstück wechseln wir und werden im Hotel Benidorm freundlich aufgenommen.

Inzwischen ist Donnerstag und Zeit, die Flüge zu buchen. Für die Zweibeiner stellt das kein Problem dar, aber der Transport eines Hundes erfordert einen weiteren bürokratischen Marathon. Wir werden vom Schalter von Copa-Airlines an ein Call-Center verwiesen. Hier meint ein Mitarbeiter, dass man eine e-mail mit verschiedenen Angaben zu meiner Person an Copa-Cargo schicken müsse. Das wird erledigt, die mail wird versendet - keine Antwort. Am Freitag schicken wir die nächste mail, am Samstag noch eine - keine Reaktion. Ein Anruf bei Copa-Airlines hilft auch nicht weiter, auch sie können Copa-Cargo nicht erreichen. Meine Leute reservieren ihre Flüge für Montagmittag und schicken eine letzte mail, in der sie die Flugnummer mitteilen und darauf hinweisen, dass sie mich mitnehmen werden.

Ich ahne noch nichts Schlimmes, als sie mit einer Transportbox kommen und mir diese als Körbchen verkaufen wollen. Der Flug dauert eine Stunde - was ist schon dabei? Ich mache mir keine Gedanken, sondern genieße die Ausflüge in die Stadt und den Park am Meer. Die Altstadt, das Casco Antiguo, und den Fischmarkt können wir zu Fuß erreichen - nur den Sonntagsausflug mit dem Taxi zu den Miraflores-Schleusen des Panama-Kanals spare ich mir.

Das Besondere des Kanals ist, dass er über einen Berg führt, und deshalb die Schiffe auf beiden Seiten des Berges geschleust werden müssen. Die Schleusen selbst sehen aus wie Neckar- oder Mainschleusen, von beachtlicher Größe sind vor allem die Schiffe. Panamax nennt man die Containerriesen, die gerade so die Schleusen passieren können. Die nächst größere Schiffsgeneration wird dann die neuen Becken benutzen, die zur Zeit gebaut werden.

Es ist Montagmorgen, und pünktlich um acht sind wir am Flughafen. Zwei Rucksäcke und meine Box sind dabei. Wir werden zum Copa-Cargo-Schalter geschickt, wo die Dolmetscherin während der nächsten vier Stunden versucht, meinen Transport, von dem angeblich niemand etwas weiß, zu erreichen. Sie lässt sich weder wegschicken noch abwimmeln. Zum Glück gerät sie relativ bald telefonisch an einen Mitarbeiter, der nicht nur englisch spricht, sondern sich persönlich um eine Lösung bemüht. Die Zeit läuft. Im letzten Moment holen meine Leute ihre Bordkarten, und der engagierte Senor Rivera biegt um die Ecke. Im Eiltempo werden wieder Papiere fertig gemacht und ich in die Box gesteckt. Ein kurzer Abschied - ist ja nicht für lange - und fort sind meine Leute. Sie gehen davon aus, dass ich in den Flieger gebracht werde und eine Stunde später fröhlich meine Kiste in Kolumbien verlasse.

Aber da haben sie die Rechnung ohne die Kolumbianer gemacht. Ein Hund muss drei und nicht eine Stunde vor Ankunft den dortigen Behörden gemeldet werden. Das hat leider auch Senor Rivera bis eben nicht gewusst. So komme ich nicht in das Flugzeug, sondern in ein Auto und werde zur Quarantänestation gebracht. Dort bewahrt man mich mehr schlecht als recht auf, lediglich mit dem Versprechen, dass ich am nächsten Tag nachfliegen werde. Ich bete, dass meine Leute alle Hebel in Bewegung setzen, damit ich hier nicht verschimmle.

Hoffe, dass wir uns in Kolumbien wiedersehen!

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