Charly´s weite Reise

April 2013

Hola, amigos - como estais?

Der Grenzübertritt von Guatemala nach Honduras verläuft entspannt. Es ist später Nachmittag und wenig Betrieb, als wir in El Florida mit der Prozedur beginnen. Wieder sind einige Formalitäten für die Einfuhr des Fahrzeugs zu erledigen, und wieder sind diverse Kopien zu beschaffen. Zwar gibt es beim honduranischen Zoll ein Kopiergerät - dies allerdings dient nur dem behördeninternen Gebrauch. Für unsere Kopien muss der Chefmechaniker zu Fuß noch einmal zurück nach Guatemala, wo es die einzigen Copy-Shops im Umkreis gibt.

Unseren ersten Übernachtungsplatz finden wir wenige Kilometer später an einer Tankstelle neben dem Ruinengelände von Copan. Morgens laufen kleine Grüppchen von Touristen die Straße entlang, um die größte Sehenswürdigkeit des Landes zu besuchen. Meine Leute haben mittlerweile genug Maya-Tempel gesehen und wollen das Eintriitsgeld von etwa 70 US-Dollar diesmal nicht bezahlen. Durch grüne, bergige Landschaft machen wir uns Richtung Nordwesten auf zum Lago Yojoba. Viele Schlaglöcher zwingen den gesamten Verkehr zum Slalomfahren. Manchmal stehen Leute mit Schaufeln an der Fahrbahn und füllen die Löcher mit Erde auf. Erst als sie eindeutige Zeichen machen, dass sie dafür ein Trinkgeld erwarten, verstehen wir, dass sie sich diesen Job selbst geschaffen haben.

Als wir zum Nachmittagskaffee neben der Straße an einem Fluss anhalten, lungern einige junge Männer in der Nähe herum. Wir denken uns nichts dabei, als wir sie telefonieren sehen und kurz darauf noch weitere erscheinen. Dass sie nicht grüßen und auch sonst nichts sagen, verbuchen wir als Stoffeligkeit, die uns in Honduras bereits häufiger begegnet ist. Aber als sie sich schließlich dem Auto nähern und es langsam einkreisen, wird uns mulmig. Als wir auch auf die Frage, was los sei - ob es ein Problem gäbe, keine Antwort erhalten, packen wir unseren Kaffee und geben Gas um es ein Stückchen weiter nochmals mit der Pause zu versuchen.

Am Abend erreichen wir die Finca Las Glorias, die schön am See gelegen ist. Man baut Kaffee an, der im Halbschatten unter hohen Bäumen wächst, und hält Rinder, Schafe und Pferde. Ein Cowboy treibt sie morgens zu den Weiden und abends zurück in die Ställe. Auf dem großen Gelände gibt es außer Cabanas und einem Restaurant auch einige Konferenzräume. Neben einem dieser Gebäude bekommen wir etwas widerwillig einen Stellplatz zugewiesen, da eine größere Gruppe übers Wochenende tagt und die Sanitärräume von allen benutzt werden. Auch hier werden wir eher misstrauisch als freundlich beäugt - sowohl von den honduranischen Gästen als auch vom Personal.

Man beobachtet unser Treiben einen ganzen Tag, bis ein Mann Anfang dreißig aus der Gruppe sich ein Herz fasst und uns anspricht. Er ist sehr aufgeregt und möchte wissen, was wir in Honduras machen. Als er hört, dass wir Touristen sind, ist er erstaunt. Normalerweise wären Ausländer nur im Land um `Experimente´ oder Geschäfte zu machen. Sie würden sich für den Kaffeeanbau interessieren und nach Investitionsmöglichkeiten Ausschau halten. Außerdem gäbe es noch die Entwicklungshelfer, die für eine der zahlreichen Organisationen im Land wären. Dany, der englisch spricht und eine Ausbildung hat, meint, privat könnte er sich einen Aufenthalt auf der Finca niemals leisten.

Worum es bei dem Motivations-Seminar genau geht, das von der amerikanischen Organisation USAID finanziert wird, ist nicht so recht in Erfahrung zu bringen. Der Ablauf lässt vermuten, dass man den Leuten Selbstvertrauen und Optimismus vermitteln möchte, damit sie mit neuer Kraft in ihren frustrierenden Alltag zurückkehren können. Der Standard der Finca entspricht höchstens mittlerem europäischen Niveau - in Honduras ist es eine der Luxusanlagen, die sich nur die Reichen - und eben Ausländer - leisten können.

Wir fahren weiter nach Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras. Auf uns wirkt die Stadt chaotisch und ohne erkennbares Zentrum, obwohl wir mittendurch fahren. Einige wenige Hochhäuser und bessere Gebäude sind zu sehen, auch eine BMW-Vertretung in schickem Design, ansonsten wuchert die Millionenstadt über die umliegenden Hügel. Hier möchte man nicht aussteigen, und so folgen wir einem der seltenen Verkehrsschilder nach Valle d´Angeles.

Die Straße führt in die Berge zu dem Ort, der sich selbst als `Ciudad Turistico´ bezeichnet. Auf dem Gelände einer kleinen Freizeitanlage mit ein paar Tiergehegen kommen wir für die Nacht unter. Das Dorf hat einen hübschen Ortskern und eine Kaffeebar, die in einem restaurierten alten Haus untergebracht ist. Während ich die Streuner, die den Zocalo unsicher machen, vom Auto aus beobachte, folgen meine Leute der freundlichen Einladung zu einem Espresso. Stolz führt ihnen der Ladenbesitzer seine blinkende, nagelneue Kaffee- und eine deutsche Röstmaschine vor. Schwieriger, als einen guten Kaffee zu bekommen, ist es, ein Souvenir zu erstehen. Die meisten Sachen sind so unglaublich hässlich, dass es einem den Atem verschlägt. Nichts ist mehr zu sehen von der Kunstfertigkeit, mit der in Mexiko und Guatemala gearbeitet wird.

Unsere letzte Station in Honduras ist Danli. Kurz vor der Kleinstadt übernachten wir bei einem netten älteren Ehepaar, das ein kleines Hotel betreibt. Der Senor hat wenig Hoffnung. Das Land hat in wenigen Jahrzehnten mehr als neunzig Regierungen gehabt. Früher beherrschten amerikanische Fruchtkonzerne die mittelamerikanischen Länder, woher wohl auch die Bezeichnung `Bananenrepublik´ kommt. Heute beschreibt dieser Begriff Staaten, die wie die zentralamerikanischen unter Korruption und schlechter Staatsführung leiden. Was die eine Regierung aufbaue, werde von der nächsten wieder zerstört, beklagt er. Viele Honduraner seien arbeitslos, andere könnten vom Ertrag ihres Landes kaum existieren. So lebten zu viele in deprimierender Armut und könnten nicht davon ausgehen, das sich dies in absehbarer Zeit ändere.

Mit diesen düsteren Aussichten nähern wir uns nach einer Woche der Grenze nach Nicaragua.

Buenas noches, hasta luego!

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