Charly´s weite Reise

März / April 2013

Hello, all together, how are you?

Wie Ihr seht wurde die Homepage neu strukturiert. So sollen auch kleine Länder, in denen wir uns nur kurz aufhalten, eine eigene Seite bekommen. Wir hoffen, dass Euch die Übersicht erleichtert wird, falls Ihr etwas über ein bestimmtes Land nachlesen und nicht nur den letzten Monat verfolgen wollt.

Aber jetzt zu unseren Eindrücken von Belize. Als wir die Grenze passieren und am Zoll stehen, werde ich von dem Beamten entdeckt, der eigentlich unseren Obst- und Gemüsevorrat inspizieren soll. Ob wir das entsprechende Papier zur Einfuhr eines Hundes schon im Internet ausgefüllt hätten? Da meine Leute natürlich nichts von dieser anscheinend neuen Regelung wissen, werden erst verschiedene Kopien des Impfpasses gemacht und das besagte Formular vor Ort ausgefüllt. Dann müssen sie einfach nur noch die doppelte Gebühr von nun 110 US-Dollar bezahlen - und schon darf ich einreisen.

Im früheren British-Honduras ist man cool, häufig schwarz und hört bevorzugt Reggae. In dem kleinen Vielvölker-Staat leben Nachfahren ehemaliger Sklaven, Mayas, plattdeutsch sprechende Mennoniten, Mestizen und viele Chinesen.

Unsere erste Station ist Orange Walk. Auf dem Weg dahin stellen wir erstaunt fest, dass das britische Erbe in Form von großzügigen, gemähten Rasenflächen überall gepflegt wird. Viele der Holzhäuschen stehen auf Pfosten, um Wasser und ungebetene Tiere draußen zu halten. Sie haben schon bessere Zeiten gesehen, aber drückend arm wirkt es nicht. Allerdings sind wir überrascht, als wir im Supermarkt die Preise sehen. Sie erreichen europäisches Niveau, ohne dass dem entsprechende Einkommen gegenüber stehen. Wie wir hören, verdient man im Schnitt nicht mehr als 500 € im Monat. Bevor die Chinesen, die die meisten Supermärkte betreiben und entsprechend große Chargen kaufen können, so die Preise gesenkt haben, soll es noch teurer gewesen sein. Die Asiaten leben meist nur für fünf Jahre in Belize. Dann können sie in die USA weiterziehen, und ihr Platz an der Supermarktkasse wird von einem chinesischen Nachrücker übernommen.

In Belize-City drehen wir eine Runde durch das historischen Viertel und kommen an einer Kirche vorbei, die vollständig aus Ziegelsteinen erbaut ist. Sie wurden früher den Segelschiffen als Ballast mit gegeben, wenn diese leer aus Europa kamen um später mit Mahagoniestämmen beladen ihre Reise zurück anzutreten. Heute liegen vor der Küste moderne Kreuzfahrtschiffe, deren Passagiere auf Landgang sind. Da kaum ein Tourist mit dem eigenen Auto in Belize unterwegs ist, kutschiert man die Gäste mit Kleinbussen in den Dschungel, zu den Maya-Ruinen und wieder zurück. Die meisten zieht es jedoch auf eine der kleinen vorgelagerten Inseln, den Cayes. Die Hauptattraktion in Belize ist sicher das Schnorcheln am Barrier Reef.

Nachdem uns die Sandfliegen an der Marina der Stadt ausreichend gepiesakt haben, wollen wir größere Tiere sehen und fahren zum Belize Zoo. Hier hat man einheimischen Vögeln, Raubkatzen und anderen Waldbewohnern ein schönes Refugium geschaffen. Alle Bewohner sind entweder als kranke oder mutterlose Tiere aufgenommen worden - oder als `Problemtier´- man denke an Bruno, den `Problembär´ aus Bayern. Mich lassen sie natürlich nicht rein, aber meine Leute können so ein paar der selten gewordenen Ureinwohner sehen. Allerdings verstecken sich die Raubkatzen im Gebüsch und die Krokodile im Wasser.

Ostern naht, und wir sind auf der Suche nach einem Platz für die Feiertage. Wir fahren ein bisschen in der Gegend herum und kommen nach Belmopan, der Hauptstadt Belizes. Wegen der häufigen Wirbelstürme hat man die Verwaltungen ins Landesinnere verlegt und nennt die langweilige Ansammlung von Gebäuden jetzt Gartenstadt. Einige Kilometer weiter biegen wir auf eine Piste ab und landen bei den traditionellen Mennoniten, die mit Pferdefuhrwerk unterwegs sind und nach Art der Urgroßväter leben. Viele blonde, hellhäutige Kinder zeigen, dass die Vorfahren aus Norddeutschland stammen und sich bis heute kein anderes Erbe eingeschlichen hat.

Zurück auf der Hauptstraße finden wir schließlich in San Ignacio bei Greg unseren Platz. Wir sind die einzigen Gäste auf dem großen Gelände und werden ausgesprochen freundlich umsorgt. Nachdem alles wieder sauber und der Bericht geschrieben ist, müssen wir nur noch die immer größer werdende Hitze in der Hängematte überstehen. Außerdem kann der Bordmechaniker zusammen mit einem belizianischen Kollegen die Batteriehalterung neu schweißen - jetzt steht zukünftigen Pistenfahrten nichts mehr im Wege.

Ein letzter Ausflug führt uns nach Spanish Lookout. Das ist eine weit verstreute Ansammlung landwirtschaftlicher Betriebe, die von den sogenannten modernen Mennoniten bewirtschaftet werden. Sie sind vor knapp 40 Jahren nach Belize gekommen und versorgen inzwischen das ganze Land mit ihren Erzeugnissen. Sie lehnen Maschinen nicht ab, im Gegenteil: Sie lieben diese! Seit wir in den USA waren, haben wir so riesige Mähdrescher nicht mehr gesehen. Ein supermodernes, blau verspiegeltes und klimatisiertes Gebäude beherbergt alles, was das Heim- und Handwerkerherz höher schlagen lässt. Während der Chefmechaniker drinnen ein paar tolle Polklemmen ersteht, versucht draußen die Fotografin sich mit einem ausschließlich plattdeutsch sprechenden Mitarbeiter zu unterhalten. Aber ohne die Hilfe seines Sohnes, der sich mit Hingabe einem Rasenmäher widmet, geht gar nichts. Dieser lernt in der Schule hochdeutsch und englisch und kann die neugierigen Fragen des Vaters nach Herkunft, Alter und Kinderzahl meiner Leute übersetzen. Die Anmerkung, dass seine Familie ursprünglich wohl auch aus Deutschland stamme, versteht er nicht. Er sei Belizianer, sein Vater komme aus Mexiko und der Großvater aus Kanada.

Ich habe die Hoffnung auf Abkühlung schon aufgegeben, als das erlösende Gewitter kommt. Zu

unserer Überraschung haben wir erfahren, dass der April der heißeste Monat und somit jetzt Hochsommer ist. Ab Mai beginnt die Regenzeit und dann soll es kühler werden - ob man das dann Winter nennt? Jedenfalls ist für uns wieder weiterreisen angesagt, bei bewölktem Himmel brechen wir auf, zur Grenze nach Guatemala.

So long!

Kontakt

© Die Reiseleitung 2012